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Der folgende Original-Text stammt aus dem Jahr 1949 und wurde von August Sieghardt verfasst.
Bergandacht auf dem Stripsenjoch
Die heilig-stille hehre Bergeswelt Hat Gott der Herr allhier zur Schau gestellt, Auf daß dein Herz sich öffne groß und weit Ob dieser wundersamen Herrlichkeit.
Wenn du bedrückt und sorgenvoll erschienst - Die Stunde hier wird dir zum Gottesdienst, Der blaue Himmel sei der Dom fürwahr, Die schroffe Felswand dort der Hochaltar.
Der Windsbraut Sang ersetzt das Orgelspiel, Das Bergkreuz deiner Seele Sehnsuchtsziel. Die Alpenrosen rings am Bergesrand, Sie mögen sein ein festlich Meßgewand.
Als Predigt dringt aus enger Schlucht hervor Des Wildbachs Rauschen heimlich an dein Ohr Und schaust du in die Täler all hinein, Dann magst du wohl dein eigner Priester sein.
Wer so des Berges Gipfelschau erlebt, Vor Gottes Schöpfung ehrfurchtsvoll erbebt, Wer hier auf stolzer Höh das Sehnen stillt, Das drunten Herze und Gemüt erfüllt -
Dem schenkt Natur sich in der ganzen Pracht Und er verspürt, was wirklich glücklich macht. In tiefer Demut und Ergriffenheit Steht er in dieser Bergeseinsamkeit.
Und steigst du schweigsam wieder dann zutal, Ertönt in deinem Innern ein Choral; Wie Spährenklang hörst du des höchsten Wort, Es schwingt sich durch die Luft wie ein Akkord.
Wie ein Vermächtnis scheint die Stunde dir In diesem erdenfernen Hochrevier Und innigst dankst, in kindlichem Vertraun, Du dem, der dir läßt dieses Wunder schaun.
Quelle: Bücher der Heimat (35), Kaisertaler Büchl, August Sieghardt, 1949, Coppenrath
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Bergwelt am Stripsenjoch - Historische Ansicht um 1911 (Photochromie)
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